Pflege

11.05.13: Neue Kampagne: Deutscher Pflegerat e.V. mobilisiert gegen Pflegenotstand

Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) fordert vier Monate vor der Bundestagswahl Lösungen für den Pflegenotstand in Deutschland. Dazu hat der DPR als führende Interessenvertretung der beruflich Pflegenden in Deutschland am 7. Mai 2013 eine bundesweite Kampagne gestartet. Der Titel lautet „Ich will Pflege!“. Sie soll engagierte Pflegefachpersonen sowie Bürgerinnen und Bürger dazu motivieren, Druck auf die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik auszuüben, damit endlich Lösungen zur Zukunftssicherung der Pflege erarbeitet werden.

„Der Pflegenotstand muss als drängendes gesamtgesellschaftliches Problem anerkannt werden, seine Lösung darf nicht länger von Legislaturperiode zu Legislaturperiode verschoben werden“, erklärte Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR, beim Auftakt der Kampagne in Berlin laut Presseaussendung. „Deutschland braucht jetzt ein parteiübergreifendes Commitment zur Neustrukturierung der professionellen Pflege – unabhängig von Legislaturperioden, Regierungskoalitionen und Parteiinteressen.“ Die Kampagne setzt darauf, der neuen Bundesregierung bereits vor ihrem Amtsantritt die Forderungen der Berufsangehörigen der Pflege deutlich zu machen.

Aktuellen wissenschaftlichen Prognosen zufolge stehe Deutschland vor dramatischen Entwicklungen hinsichtlich der Pflege-Versorgung in den nächsten Jahrzehnten. Wie Prof. Fritz Beske, Gründer und Direktor des Fritz Beske Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel, in seiner neuesten Schrift errechnet, werde die absolute Zahl Pflegebedürftiger von 2009 bis 2060 von 2,34 auf 4,51 Millionen Menschen steigen. Dies entspricht einer Steigerung von 93 Prozent. Damit werde sich von 2009 bis 2060 der Bedarf an Pflegepersonal mehr als verdoppeln, von 629.600 auf 1,4 Millionen Vollzeitbeschäftigte.

„Die Versorgung Pflegebedürftiger muss auch in Zukunft gesichert sein“, sagte Beske anlässlich der Pressekonferenz. „Dabei wird es an beidem fehlen, an Geld und an Fachpersonal. Ansprüche, die nicht erfüllt werden können, erzeugen Unruhe. Dies muss berücksichtigt werden, wenn die Versorgung Pflegebedürftiger von morgen zur Diskussion steht“.

Große Unruhe unter den Pflegefachpersonen – Mangel an qualifiziertem Nachwuchs

Bereits heute herrsche „große Unruhe“ unter den Pflegefachpersonen in Deutschland. „Hohe Arbeitsbelastung, große Verantwortung, Schichtarbeit, unangemessene Entlohnung und keine Perspektive auf Veränderung – den Pflegenden in Deutschland reicht es einfach“, sagte Andrea Lemke, Präsidiumsmitglied des DPR und Pflegedirektorin im Waldkrankenhaus Berlin Spandau. Insbesondere der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs sei ein Problem, das den täglichen Arbeitsalltag für die Pflegenden zur dauernden Herausforderung mache.

„Angesichts des bereits bestehenden und noch weitaus brisanter werdenden Personalproblems ist es eine wichtige Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten“, meint auch Dr. Rolf Koschorrek, MdB, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. „Die Stichworte dazu lauten angemessene Vergütung, Vereinheitlichung der Ausbildung, schnellere Anerkennung von Qualifikationen, Erleichterung des Wiedereinstiegs in den Beruf, mehr Durchlässigkeit z.B. für Berufsrückkehrer und Pflegehelfer und nicht zuletzt die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Konkrete Forderungen als Wahlprüfsteine an die Politik

Für die Zukunft der Pflege hat der DPR konkrete Forderungen erarbeitet. Diese werden in Form von Wahlprüfsteinen an die Politik gerichtet. Die Kampagne selbst setzt auf die Aktivitäten der 15 Mitgliedsverbände des Deutschen Pflegerats und der Landespflegeräte. Die haben sich auf einen „heißen Sommer“ eingeschworen. Außerdem soll der Protest der Pflegenden sich im Internet über die Kampagnen-Website http://www.ichwillpflege.de und „viral“ weiterverbreiten. DPR-Präsident Westerfellhaus hofft, dass mit dieser breiten Mobilisierung auch die Bereitschaft der Politik gesteigert wird, sich mit dem schwierigen Thema zu befassen.

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Zur Rubrik menschenwürdige Pflege, Pflegemissstände und Pflegereform