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04.08.10: Studie: Ambulante Palliativversorgung noch lückenhaft

Viele Menschen haben den Wunsch, dort zu sterben, wo sie zuhause sind. Die ambulante Hospiz- und Palliativarbeit trägt diesem Bedürfnis Rechnung. Die Palliativversorgung in Deutschland ist jedoch noch nicht flächendeckend in gleich hoher Qualität verfügbar. Gerade in ländlichen Gebieten fehlen entsprechende Angebote. Zudem wissen Betroffene häufig nichts von dieser Möglichkeit der Versorgung in der Endphase des Lebens.

Dies sind die Ergebnisse einer am 29.06.10 vorgestellten Studie zur ambulanten Hospizarbeit. Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Universität Augsburg in Kooperation mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) und finanzieller Unterstützung der Deutschen Krebshilfe durchgeführt.

Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen bis zuletzt zu erhalten. Dazu gehört die Bekämpfung von Schmerzen und anderen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Atemnot oder Verwirrtheit. Auch psychische, soziale und spirituelle Anliegen rücken verstärkt in den Vordergrund. Obwohl prinzipiell jeder Sterbende Anspruch auf eine palliativmedizinische Betreuung hat, kann diesem Anspruch in der Praxis noch nicht überall Rechnung getragen werden, heißt es in die Studie.

Vor allem in ländlichen Gebieten ist es oft nicht möglich, Schwerstkranken ein Sterben zuhause zu ermöglichen. Dies liege einerseits an der Organisation der Dienste, zum anderen an fehlender Infrastruktur auf dem Land. Gerade dort gebe es weit mehr rein ehrenamtlich organisierte Dienste, die nicht auf eine Infrastruktur wie in der Stadt zurückgreifen können.

In der Stadt jedoch führe allein das Vorhandensein von stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen zu mehr „Hospitalisierung“. Hier sehen die Wissenschaftler noch großen Handlungsbedarf. „Wir müssen die Strukturen für die ambulante Palliativarbeit dringend weiter ausbauen, denn die Möglichkeiten, Menschen ein Sterben zuhause zu ermöglichen, sind noch längst nicht ausgeschöpft“, erklärte Studienleiter Werner Schneider, Soziologe an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg und Experte für Sterben und Tod aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive in einer Pressemitteilung der Krebshilfe vom 3. August.

Diffuse Vorstellungen von Hospiz- und Palliativdiensten

Zudem haben die meisten Menschen nur recht diffuse Vorstellungen von dem, was ein Hospiz eigentlich ist und was ambulante Palliativdienste anbieten können. In den Köpfen vieler Menschen sei das Wort „Hospiz“ immer noch gleichgesetzt mit „in Kürze sterben“, so Schneider. „Daher nehmen Angehörige häufig erst Kontakt mit einem Hospizdienst auf, wenn der Betroffene bereits im Sterben liegt. Dann können sich die Hospiz-Mitarbeiter aber nicht mehr so gut auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einstellen“, gibt Schneider zu bedenken.

Er fordert daher eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für die ambulante Sterbebegleitung. Ärztinnen und Ärzte könnten dabei als „Türöffner“ wirken, indem sie Patienten und Angehörige über Hospizdienste informieren und eine Kontaktaufnahme empfehlen.

„Palliativmedizin und Hospizarbeit sind aktive Lebenshilfe – und damit eine echte Alternative zur Sterbehilfe. Die Deutsche Krebshilfe setzt sich dafür ein, die Palliativmedizin und die Hospizversorgung in Deutschland weiter auszubauen“, sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Auch die Ergebnisse der Augsburger Studie werden in unsere Überlegungen zu weiteren Fördermaßnahmen oder auch gesundheitspolitischen Aktivitäten einfließen“, so Nettekoven.

Die Deutsche Krebshilfe setzt sich nach eigenem Bekunden seit mehr als 25 Jahren für den Auf- und Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland ein. Sie ist Wegbereiterin der Palliativmedizin und hat bereits in den 1980-er Jahren Hospize und Palliativstationen finanziell unterstützt.

In ihrem aktuellen Förderschwerpunktprogramm unterstützt die Deutsche Krebshilfe unter anderem zahlreiche stationäre und ambulante palliativmedizinische Dienste sowie Projekte auf dem Gebiet der Versorgungsforschung. Außerdem gibt die gemeinnützige Organisation umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Palliativmedizin heraus. Die Broschüren, DVDs und ein Hörbuch können kostenlos bei der Geschäftsstelle in Bonn angefordert oder unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

Weitere Informationen:

  • „Sterben dort, wo man zuhause ist…“
    Organisation und Praxis von Sterbebegleitungen in der ambulanten Hospizarbeit – zentrale Ergebnisse
    Studie der Universität Augsburg in Kooperation mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V. und mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Krebshilfe e.V.
    7 Seiten, Kurzinfo, veröffentlicht am 29.06.10 im PDF-Format
     

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