Sterbehilfe

10.02.12: Niederlande: Aufregung um „Lebensende-Klinik“ und ambulante Teams für heimische Sterbehilfe

Flagge NiederlandeIn den Niederlande droht eine weitere Ausweitung der Sterbehilfe. Konkret wollen Anfang März sechs ambulante Teams mit jeweils einem Arzt und Pflegemitarbeiter landesweit aktive Sterbehilfe zu Hause bei den Patienten leisten. Dies teilte die „Niederländische Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende“ am 07.02.12 mit. Zudem soll in Den Haag dieses Jahr eine sogenannte „Lebensende-Klinik“ der Vereinigung eröffnet werden. Zielgruppe sind Patienten, bei denen Ärzte dem Wunsch nach aktiver Sterbehilfe nicht nachkommen wollen.

Aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden bereits seit April 2002 erlaubt. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass ein Patient unerträglich leidet, aussichtslos krank ist und mehrfach um die Tötung gebeten hat. Als Ergbenis dieses Gesetzes werden jährlichca. 2.500 Fälle bei den zuständigen Kommissionen gemeldet.

Bei der größten niederländischen Ärztevereinigung KNMG stoßen die Angebote der Sterbehilfe-Klinik und der ambulanten Teams auf Kritik. Die KNMG vertritt mehr als 53.000 Ärzte. „Wir halten es für problematisch, dass in diesen Fällen die Beziehung zwischen Arzt und Patient ausschließlich auf die Sterbehilfe konzentriert ist“, sagte Eric van Wijlick von der KNMG gegenüber der Ärztezeitung am 09.02.12 mit Blick auf eine Störung des Arzt-Patienten-Verhältnisses. Es sei auch zu befürchten, dass Alternativen zur aktiven Sterbehilfe aus dem Blick geraten.

Hospizliche und palliative Betreuung statt Sterbehilfe

Auch in Deutschland wird das neue Angebot insbesondere aus ärztlicher Sicht sehr kritisch beobachtet. „Nicht durch eine immer besser organisierte Sterbehilfe, sondern nur durch eine fürsorgliche und kompetente Betreuung und Begleitung durch Hospizbewegung und Palliativmedizin kann schwerstkranken und sterbenden Menschen Angst, Schmerzen und Verzweiflung in einer ihnen häufig ausweglos erscheinenden Situation genommen werden“, erklärte die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV), Dr. Birgit Weihrauch, in einer Presseaussendung vom 08.02.12. Sie zeigte sich bestürzt über die aktuellen Meldungen aus den Niederlanden.

Wenn Menschen in ihrer Verzweiflung um Hilfe zum Sterben bitten, so resultiere dies vielfach daraus, dass sie allein gelassen und nicht ausreichend hospizlich und palliativ versorgt werden. „Menschen müssen auf eine menschenwürdige Begleitung und Betreuung vertrauen können. Die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe wäre die falsche Antwort und mit unübersehbaren Folgen für unsere Gesellschaft verbunden. Nicht zuletzt entstünde auf alte und kranke Menschen ein so empfundener Druck, anderen nicht zur Last fallen zu wollen. Die Antwort hierauf müssen vor allem die weitere Verbesserung der Situation in vielen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die Weiterentwicklung und der Ausbau der ambulanten und stationären Hospiz- und Palliativversorgung sein“, hieß es in der Mitteilung.

Fürsorgliche Medizin am Lebensende ist die deutsche Alternative zur aktiven Sterbehilfe

Die Ärztekammer Nordrhein wies vor dem Hintergrund der Meldungen aus dem Nachbarland darauf hin, dass sich die Ärzteschaft in Nordrhein-Westfalen weiter für einen konsequenten Ausbau der humanen Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen mit den Mitteln der modernen Palliativmedizin einsetzen wird. „Eine fürsorgliche Medizin am Lebensende ist die deutsche Alternative zur aktiven Sterbehilfe, wie sie in den Benelux-Staaten erlaubt ist“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, am 07.02.12 in Düsseldorf.

Auch er zeigte sich bestürzt über die niederländischen Entwicklungen. „Es bleibt unsere tiefe Überzeugung, dass das Töten nicht ins Handwerkszeug von Ärztinnen und Ärzten gehört“, so Henke. Es dürfe kein gesellschaftliches Klima entstehen, das Sterbehilfe für Menschen, die Angst vor körperlichen Schmerzen, seelischen Nöten oder Vereinsamung haben, zum Mittel der Wahl mache. Ärztinnen und Ärzte machen nach seinen Worten tagtäglich die Erfahrung, dass unheilbar kranke Menschen, deren körperliche Leiden wirksam bekämpft und deren Sorgen ernst genommen werden, auch die letzten Tage ihres Lebens als lebenswert erleben.

Schärfere Worte fand die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Mechthild Löhr. Sie bezeichnete die Einführung der ambulanten Sterbehilfe als „Tod auf Bestellung“ und als „kultivierte Form der Barbarei“. Der Tod werde kommerzialisiert. Es bestehe die Gefahr, dass es ein „Jedermann-Angebot“ werde, sagte Löhr gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Pressespiegel zur Sterbehilfe in den Niederlanden

Ergänzend finden Sie eine Presseschau zur Sterbehilfe-Entwicklung in den Niederlanden.

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