Hände

03.06.19: PAL-LIFE – Weißbuch zur weltweiten Förderung der Palliativversorgung veröffentlicht

03.06.19: PAL-LIFE – Weißbuch zur weltweiten Förderung der Palliativversorgung veröffentlicht

Päpstliche Akademie für das Leben wirbt für bessere Sterbebegleitung

PAL-LIFE – Weißbuch zur weltweiten Förderung der PalliativversorgungDie Päpstliche Akademie für das Leben mit Sitz in Vatikanstadt hat am 23. Mai 2019 in Berlin das „PAL-LIFE – Weißbuch zur weltweiten Förderung der Palliativversorgung“ vorgestellt. Darin werden die wichtigsten Empfehlungen für alle gesellschaftlichen Gruppen vorgestellt, damit Palliativversorgung weiter entwickelt werden kann.

Das 118-seitige Weißbuch wurde von der Gruppe PAL-LIFE mit Expertinnen und Experten der Palliativversorgung aus der ganzen Welt erarbeitet. Die Expertengruppe wurde von Papst Franziskus ins Leben gerufen und von der Deutschen PalliativStiftung mit initiiert. Dies teilte die Deutsche Bischofskonferenz in einer Presseaussendung mit.

Empfehlungen an die Regierungen und gesellschaftliche Akteure

Um eine Integration der Palliativversorgung zu erreichen gibt das Expertenteam sechs Empfehlungen an die Regierungen. Konkret sollen sie angemessene Strategien erarbeiten und Vorschriften erlassen, welche die Palliativversorgung in Gesetze, nationale Programme und Haushalte des Gesundheitswesens einbindet. Des Weiteren sollen sie gewährleisten, dass die Krankenversicherungen die Palliativversorgung in ihren Leistungskatalog aufnehmen. Zudem sollen sie den Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln und Technologien der Schmerzlinderung und der Palliativversorgung, einschließlich der Rezepturen für Kinder gewährleisten.

Die Regierungen sollen auch gewährleisten, dass Palliativversorgung Bestandteil sämtlicher Gesundheitsleistungen ist, das heißt von den Gesundheitsprogrammen der Gemeinden bis zu den Krankenhäusern. Dies, damit alle Patienten untersucht werden und alle Teammitglieder eine grundlegende Palliativversorgung anbieten können, während zugleich auch Spezialistenteams zur Beratung oder Überweisung verfügbar sind.

Weitere Empfehlungen sind, den Zugang zu angemessener Palliativversorgung schutzbedürftiger Gruppen einschließlich Kinder und Senioren zu gewährleisten. Außerdem sollen sie mit Universitäten, Hochschulen und Lehrkrankenhäusern zusammenarbeiten, um die Forschung sowie die Schulung auf dem Gebiet der Palliativversorgung als ein wesentliches Element in die Curricula einzubeziehen. Dabei soll dies die Grundausbildung, und die fachspezifische Fort- und Weiterbildung umfassen.

Außer an die Regierungen geben die Autoren Empfehlungen für akademische Institutionen (Universitäten & Hochschulen), für Beschäftigte im Gesundheitswesen, für Krankenhäuser und Gesundheitszentren, Verbände der Palliativversorgung und internationale Organisationen. Angesprochen werden auch Medien, wohltätige und gemeinnützige Organisationen, pharmazeutische Behörden, Apotheker, Patienten und Patientengruppen. Schließlich geben sie Empfehlungen für „Spiritual Care“ Giver und Seelsorger sowie für nicht in der Palliativversorgung tätige Verbände und Gesellschaften. Abgerundet wird das ganze Buch durch eine Definition der Palliativversorgung gemäß IAHP.

Die Autorengruppe der vorliegenden Veröffentlichung spricht sich in der Einleitung nachdrücklich dafür aus, die Empfehlungen umfassend zu berücksichtigen. Dabei sollten alle vereinbarten Empfehlungen und nicht nur die Hauptempfehlungen aufgenommen werden.

Zum Hintergrund des Weißbuch zur Palliativversorgung

Wie es in der Mitteilung heißt, ist das Wissen um die Möglichkeiten der Palliativversorgung nicht überall umgesetzt und bekannt. Der Vatikan gibt mit dem Weißbuch wichtige Empfehlungen, wie sich jede gesellschaftliche Gruppe dafür einbringen kann. Die Päpstliche Akademie engagiert sich damit für die verletzlichsten Menschen in der Gesellschaft. Ihnen kann durch die palliative Fürsorge die Angst vor einem qualvollen Sterben genommen werden. Die Basis der Versorgung ist ein Zusammenwirken der medizinischen, pflegerischen und spirituellen Begleitung.

Das Weißbuch betont, dass alle Beteiligten des Gesundheitssystems mitverantwortlich sind, den Zugang zur Leidenslinderung und damit Palliativversorgung als Grundrecht der Patienten und ihrer Familien sicherzustellen. Jährlich leiden und sterben über 25 Millionen Menschen unter lebensbedrohlichen und lebensverkürzenden Krankheiten. Die große Mehrheit dieser Menschen lebt in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und hat keinerlei Zugang zu angemessener Leidenslinderung.

Regierungen und Gesundheitsversorger, gleich, ob sie religiös oder weltlich orientiert sind, können dieses Weißbuch als eine Checkliste einsetzen. Diese helfe ihnen, grundlegende Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Damit die Sorge für die leidenden Patienten und deren Familien auch bei lebensbegrenzender Krankheit verbessert wird.

Das PAL-LIFE-Projekt geht auf eine Initiative des früheren Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe und der Deutschen PalliativStiftung anlässlich eines Besuches in Rom im Herbst 2016 zurück.

Pressekonferenz zur Vorstellung von "PAL-LIFE - Weißbuch für die weltweite Förderung der Palliativversorgung" 23.05.19

Palliativpflege ein „zutiefst religiöses und auch positives Menschenbild“

Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, ist in seinem Statement überzeugt, dass sich in der Palliativpflege ein „zutiefst religiöses und auch positives Menschenbild“ ausdrücke. „Diese Sichtweise ist die eigentliche Seele und Stärke der Palliativversorgung. Daher ist es mir eine Freude, an dieser Stelle ein Weißbuch zu präsentieren, das an die katholischen Universitäten und Krankenhäuser der Welt geschickt werden wird, um die Kenntnis und Praxis der Palliativversorgung zu unterstützen.“

Erzbischof Paglia forderte eine „palliativen Kultur“ zu fördern. Dabei gehe es zum einen darum, auf die Versuchungen der Euthanasie und der Tötung auf Verlangen angemessen zu reagieren. Zum anderen müsse man eine „Kultur der Sorge“ heranreifen lassen. Diese müsse es möglich machen, „eine liebevolle Begleitung bis an die Schwelle des Todes anzubieten“.

Erzbischof Paglia fügte hinzu: „Auch dort, wo keine Heilung möglich ist, können wir immer noch den Schmerz und das Leid lindern und uns dieses Menschen annehmen, der womöglich gerade die schwierigste Zeit seines Daseins durchlebt.“ Die Palliativversorgung habe maßgeblich zu einer Wiederentdeckung der ganzheitlichen Begleitung eines Kranken im Kontext der modernen Medizin beigetragen.

Weißbuch zur Palliativversorgung repräsentiert den Konsens führender Experten aus der ganzen Welt

Bei der Vorstellung des Weißbuchs erklärte der Vorsitzende der Deutschen PalliativStiftung, Dr. Thomas Sitte: „Dieses Weißbuch repräsentiert den Konsens führender Experten aus der ganzen Welt. Das Weißbuch soll und kann eine praxisnahe Grundlage für alle Institutionen bilden, die in irgendeiner Form an der Gesundheitsversorgung beteiligt sind. Es ist ein Baustein, hierzu das notwendige, gut fundierte Wissen zu verbreiten, um ruhig und sachlich erklären zu können, dass wir geschäftsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung in Deutschland nicht zur Leidenslinderung brauchen.“

Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte das Weißbuch als entscheidenden Schritt in der Palliativarbeit. Als Kirche sei es ein vorrangiges Anliegen, dass Menschen in Würde sterben könnten. „Derzeit müssen wir ein Wiederaufflammen der Debatte um § 217 StGB erleben, in der die Selbsttötung als ein Grundrecht und die Beihilfe dazu als eine allgemein verfügbare Dienstleistung angesehen werden. Wenn so die Unantastbarkeit der Menschenwürde aufgegeben wird, betonen wir mit Nachdruck, was für uns ein Sterben in Würde bedeutet und wie wir es ermöglichen wollen“, so Bischof Bode.

Schwer kranke und sterbende Menschen in all ihren Bedürfnissen wahrnehmen

„Als Christen sind wir den Patienten nahe und geben sie nicht auf, auch wenn keine Aussicht auf medizinischen Erfolg mehr besteht. Wir wollen ihnen bestmögliche Pflege zuteilwerden lassen und ihre Schmerzen lindern, ohne den Tod durch eine Behandlung im Übermaß hinauszuzögern und ohne ihn vorzeitig herbeizuführen.“ Es sei wichtig, dass schwer kranke und sterbende Menschen in all ihren Bedürfnissen wahrgenommen würden – auch in ihren existenziellen Nöten. „Die palliative Fürsorge leistet all dies und ist damit die beste Antwort auf die Suizidwünsche kranker und hilfebedürftiger Menschen, die doch vor allem auf solidarischen Beistand und Zuwendung angewiesen sind. Sie nimmt vielen Patienten die Angst vor einem qualvollen Tod“, so Bischof Bode.

Gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit eines flächendeckenden Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. Bischof Bode würdigte auch die solidarische Sorge, die sich in vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens ausgebildet habe.

Er plädierte dafür, die kirchliche Sterbebegleitung weiterzuentwickeln. Dazu gehöre eine multiprofessionelle Zusammenarbeit der Seelsorge mit den Gesundheitsberufen, die gegenseitige Ergänzung von Haupt- und Ehrenamtlichen, ein fruchtbarer Diskurs mit Spiritual Care und besonders auch das Wiederentdecken der Sakramente der Kirche am Lebensende. Es sei ein großes Anliegen, „die Sakramente, die uns in der Kirche geschenkt wurden, den vielen Menschen, die zu ihnen keinen Zugang mehr haben, in neuer und sensibler Weise angeboten werden.“

Ergänzende Informationen:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine international anerkannte Definition für Palliative Care vorgenommen. Im Weißbuch findet sich auch eine ausführliche deutsche Übersetzung.

Das „PAL-LIFE – Weißbuch für die weltweite Förderung der Palliativversorgung“ erschien zunächst auf Englisch. Die deutsche Übersetzung kann ab sofort von der Website www.pal-life.org heruntergeladen werden. Es ist für Multiplikatoren auch kostenlos erhältlich per E-Mail-Anfrage an: pressestelle(at)dbk.de oder info(at)palliativstiftung.de

Tolle Atmosphäre und zahlreiche engagierte Teilnehmer: Weltkonferenz PAL-LIFE im Vatikan
Bericht der Deutschen PalliativStiftung mit allen Videos zur Konferenz

Statements bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Weißbuches PAL-LIFE für die weltweite Förderung der Palliativversorgung am 23.05.19:

Zu unserer Themenrubrik Hospizarbeit und Palliativmedizin