20.03.08: Dignitas Schweiz: Immer umstrittenere Sterbehilfe-Praktiken

20.03.08: Dignitas Schweiz: Immer umstrittenere Sterbehilfe-Praktiken

Die Sterbehilfepraktiken der Schweizer Organisation Dignitas nehmen immer gröbere Formen an. Wie jetzt bekannt wurde, hat Dignitas Medienberichten zufolge seit Mitte Februar vier Menschen in der Schweiz mittels eines Plastiksacks und einem im Handel frei erhältlichen Gas beim Suizid unterstützt. Damit umgehe die Organisation faktisch die verschärften Regelungen zur Sterbehilfe. Denn hier falle jegliche ärztliche Kontrolle, wie bei den zuvor verwendeten verschreibungspflichtigen Medikamenten, weg.

Jeder Fall werde von Dignitas dabei auf Video aufgezeichnet und anschließend an die Staatsanwaltschaft geschickt. Laut dem leitenden Oberstaatsanwalt Andreas Brunner seien die Aufzeichnungen „fast nicht zumutbar“. Sie zeigten, wie die Sterbenden „mehrere zehn Minuten“ zuckten und offenbar qualvoll starben. Dignitas-Vertreter Ludwig A. Minelli bestritt jedoch, dass es sich dabei um einen qualvollen, langen Tod handelte.

Scharfe Kritik an den Dignitas-Praktiken kam von der Deutschen Hospiz Stiftung. „Die Selbsttötungshelfer greifen inzwischen zu den absurdesten Mitteln, um in der Öffentlichkeit Schlagzeilen zu machen. Es ist monströs, Menschen für viel Geld einen Plastiksack überstülpen zu lassen, den man für zehn Cent im Supermarkt kaufen kann und sie so ersticken zu lassen“, so der Geschäftsführer der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in einer Pressemitteilung vom 19.03.08. Er stellt die Frage, wie weit diese „menschenverachtenden Praktiken“ denn noch gesteigert werden sollen, bevor ihnen endlich ein Riegel vorgeschoben wird.

Sterbehilfe auf Parkplätzen und in Hotels

Dignitas war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem Mitarbeiter der Organisation Sterbehilfe auf Parkplätzen und in Hotels geleistet hatten, da eine Sterbehilfe in den eigenen Räumen zuvor untersagt wurde. „Noch schauen wir entsetzt auf die Schweiz. Doch wenn wir in Deutschland nicht bald handeln, wird das gleiche auch bei uns passieren“, warnte Brysch. Für die Politik sei es bereits „fünf vor zwölf“.

Er forderte daher ein umgehendes Verbot der geschäftsmäßigen Vermittlung von assistiertem Suizid. Es könne nicht sein, dass ein seit fast zwei Jahren im Bundesrat vorliegender entsprechender Gesetzentwurf im Rechtsausschuss gestoppt und auf Eis gelegt wird. „Statt voyeuristischer Berichterstattung auf bunten Seiten brauchen wir endlich die politische Diskussion. Und zwar dort, wo sie hingehört: Im Bundestag“, so der Vertreter der Deutschen Hospiz Stiftung.

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