Pflege

19.12.11: Ende einer Ära nach 50 Jahren: Bundesfamilienministerin verabschiedet die letzten Zivildienstleistenden

Nach 50 Jahren ging am 15. Dezember 2011 die Ära des Zivildienstes zu Ende. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, und der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Dr. Jens Kreuter, verabschiedeten an diesem Tag in Berlin die letzten Zivildienstleistenden.

„Mehr als 2,7 Millionen Zivis haben die deutsche Gesellschaft tiefgreifend und dauerhaft verändert. Sie haben dazu beigetragen, dass das Leben vieler Menschen ein kleines bisschen schöner und reicher wird“, erklärte Schröder in einer Pressemitteilung. Zugleich bedankte sie sich für den Einsatz.

2.718.360 junge Männer als „Zivis“ in rund 37.000 sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen

Seit April 1961 haben nach Angaben des Ministeriums insgesamt 2.718.360 junge Männer als „Zivis“ ihren Dienst in rund 37.000 sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen geleistet. Der größte Teil leistete seinen Dienst dabei u. a. in Altenheimen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen oder mobilen Hilfsdiensten.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ist am 1. Juli 2011 auch der Zivildienst ausgesetzt worden. Die letzten Zivildienstleistenden, die ihren Dienst über dieses Datum hinaus freiwillig verlängert haben, werden formal am 31. Dezember aus dem Dienst entlassen. Ab dem 15. Dezember erhalten sie bezahlten Sonderurlaub, so dass für sie am 15. Dezember ihr Einsatz endet.

„Über 50 Jahre Zivildienst in Deutschland haben wesentlich dazu beigetragen, dass es eine große Bereitschaft in unserer Gesellschaft gibt, sich zu engagieren“, erklärte Schröder. Dass in Deutschland eine starke Kultur des Engagements und der Freiwilligkeit besteht, zeigen nach Ansicht der Ministerin die hohen Teilnehmerzahlen am neuen Bundesfreiwilligendienst und den bewährten Diensten Freiwilliges Soziales und Freiwilliges Ökologisches Jahr. Seit dem Start des Bundesfreiwilligendienstes am 1. Juli 2011, der die personelle Lücke, die die Abschaffung des Zivildienstes hinterlassen hat, schließen soll, haben sich bereits mehr als 25.000 Freiwillige zu diesem Engagement entschlossen. Insgesamt nehmen laut Ministerium mehr als 70.000 Menschen an einem Freiwilligendienst teil.

Positive Bilanz von Caritas und Diakonie

Auch die Caritas und die Diakonie zogen eine positive Bilanz zum Ende des Zivildienstes und blicken zuversichtlich in die Zukunft. „Am Anfang als Drückeberger verschrien, am Ende sehr geschätzt: die Caritas dankt allen Männern, die in den vergangenen 50 Jahren in unseren Einrichtungen und Diensten ihren Einsatz geleistet haben“, erklärte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes in einer Presseaussendung. Seit Beginn des Zivildienstes im April 1961 wurden demnach mehr als 385.000 junge Männer im katholischen Bereich zum Zivildienst einberufen. „Diese jungen Männer haben mit ihrem Einsatz und ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung einer solidarischen Gesellschaft geleistet“ machte Neher deutlich.

Die meisten Zivildienstleistenden hätten diesen Dienst als bereichernd für ihr eigenes Leben empfunden. Für viele habe der Einsatz zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit beigetragen. Es sei beeindruckend, welche Wertschätzung und Akzeptanz dieser Pflichtdienst sowohl bei den betroffenen Männern als auch in der Gesellschaft erfahren habe. „Die Entwicklung im Bundesfreiwilligendienst macht Mut, dass der Systemwechsel von einem Pflicht- zu einem Freiwilligendienst gelingt und zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in allen Bevölkerungsgruppen beiträgt“, so das Fazit des Caritasverbandspräsidenten.

Zivis haben einen unverzichtbaren Beitrag in der Gesellschaft geleistet

Ähnlich sieht dies Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier. „Zivis haben einen unverzichtbaren Beitrag in der Gesellschaft geleistet. Sie sorgten für die persönliche, menschliche Zuwendung, für die im regulären Arbeitsalltag oft keine Zeit bleibt“, so Stockmeier in einer Pressemitteilung.

Auch er dankte allen jungen Männern, die ihren Ersatzdienst bei der Diakonie abgeleistet haben. „Mitunter hat der Zivildienst die Berufswahl der jungen Männer beeinflusst. Auf jeden Fall hat er aber die Sensibilität für soziale Belange und die Bereitschaft erhöht, sich freiwillig zu engagieren“, würdigte Stockmeier die Tätigkeit von rund einer Million junger Männer, die seit April 1961 ihren sozialen Ersatzdienst in verschiedenen Einrichtungen von Diakonie und evangelischer Kirche geleistet haben.

Auch beim neuen Bundesfreiwilligendienst zieht der Diakonie-Präsident zum Jahresende eine relativ positive Bilanz. 3.660 BFDler haben Verträge bei evangelisch-diakonischen Trägern abgeschlossen. „Damit haben wir – unter immensem Energieaufwand – unser Ziel für 2011 sogar überschreiten können. Mittel- bis langfristig streben wir wie im Freiwilligen Sozialen Jahr 7.500 Plätze an. Im nächsten Sommer wird sich zeigen, ob der Bundesfreiwilligendienst ebenso eine Erfolgsgeschichte wird wie das Freiwillige Soziale Jahr und auch der Zivildienst“, erklärte Stockmeier abschließend.

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