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09.09.19: DHPV: Kostenfreie Entlastung pflegender Angehöriger durch ambulante Hospizdienste

09.09.19: DHPV: Kostenfreie Entlastung pflegender Angehöriger durch ambulante Hospizdienste

Am 8. September fand der bundesweite Aktionstag für pflegende Angehörige statt. Er will auf die wichtige Pflegearbeit durch Familienangehörige, Freunde oder Bekannte hinweisen. Darauf machte der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) in einer Presseaussendung aufmerksam. Der Verband erinnert dabei an die Kostenfreie Entlastungsmöglichkeit pflegender Angehöriger durch ambulante Hospizdienste.

„Bei Pflegebedürftigkeit zu Hause bleiben zu können, wenn möglich bis ans Lebensende, das entspricht auch unserem Wissen nach dem Wunsch der meisten Menschen. Ohne pflegende Angehöriger wäre das häufig nicht möglich“, erklärte Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV.

Die Pflege von Familienangehörigen – meist über einen langen Zeitraum und häufig neben der eigenen Erwerbstätigkeit und / oder parallel zur Kindererziehung – kann physisch und psychisch sehr belastend sein. „Das gilt vor allem auch am Lebensende, bei schwerer Krankheit und dem nahendem Tod der zu Pflegenden. Hier ist immer noch zu wenig bekannt, dass die Unterstützung durch einen ambulanten Hospizdienst eine große Entlastung bringen kann – und dass diese Hilfe für die Betroffenen nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist“, so Hardinghaus.

Vielfälige Entlastung möglich

Die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleiter leisteten umfassende emotionale Unterstützung des sterbenden Menschen und seiner An- und Zugehörigen. Sie stünden beim Erleben und Verarbeiten der Gefühle, die in Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung und dem bevorstehenden Tod auftauchen, zur Seite.

„Das heißt für die pflegenden Angehörigen, dass sie mit der schweren Situation nicht alleine bleiben müssen. Sie haben die Möglichkeit, über die Krise und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu reden und damit umgehen zu können“, erklärt Winfried Hardinghaus. „Oder sie können einfach mal eine Verabredung wahrnehmen, ins Café oder zum Friseur gehen, und wissen ihren Angehörigen gut aufgehoben. Auch das ist Entlastung.“

Darüber hinaus sind laut DHPV die Ehren- und Hauptamtlichen in den ambulanten Hospizdiensten auch da, um praktische Aspekte zu besprechen. Zum Beispiel, ob eine Reise (noch) möglich ist, bis hin zur Frage, wie man Bestattung und Trauerfeier vorbereitet. Die Begleitung und Unterstützung ende nicht mit dem Tod, sie werde auf Wunsch der Angehörigen in der Zeit der Trauer weitergeführt. Vor diesem Hintergrund werden durch die ambulanten Hospizdienste in der Regel ebenfalls Trauerberatung oder auch Trauergruppen angeboten, so der DHPV.

Grüne im Deutschen Bundestag fordern mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Unterdessen fordern die Grünen im Deutschen Bundestag mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. „Der bundesweite Aktionstag für pflegende Angehörige macht deutlich: Pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige verdienen unsere Unterstützung. Besonders der Einsatz pflegender Angehöriger ist unersetzbar. Wichtig ist, dass die Politik sie unterstützt und so gut es geht die Belastung reduziert. Deshalb schlagen wir mit der ,Pflegezeit Plus‘ eine steuerfinanzierte Lohnersatzleistung für Menschen vor, die ihre Familienangehörigen, Freunde oder Nachbarn pflegen“, erklärte Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, in einer Presseaussendung vom 08.09.19.

Zusätzlich fordern die Grünen „eine doppelte Pflegegarantie, von der pflegebedürftige Menschen, deren Angehörige und die Kommunen profitieren“. „Wir entlasten sie dadurch, dass wir die Finanzierungslogik der Pflegeversicherung umkehren: Damit sollen pflegebedürftige Menschen zukünftig zum einen nur noch einen sehr geringen Eigenanteil aufbringen, während die Pflegeversicherung die finanzielle Hauptlast trägt. Zum anderen übernimmt die Pflegeversicherung die Finanzierung aller notwendigen Pflegeleistungen. Mit der doppelten Pflegegarantie greifen wir auch den Kommunen unter die Arme und legen es in ihre Hände, präventive Angebote vor Ort ausbauen zu können. Denn wir wollen, dass Pflegebedürftigkeit kein Armutsrisiko darstellt, sondern frühzeitig erkannt und verhindert werden kann“, so Schulz-Asche.

Hintergrundzahlen

Laut DHPV gibt es 3,41 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI). 2,59 Millionen, das heißt 76 Prozent davon, wurden zu Hause versorgt. 1,76 Millionen Pflegebedürftige wurden allein durch Angehörige versorgt, weitere 0,83 Millionen teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. 0,82 Millionen aller Pflegebedürftigen, das heißt 24 Prozent, wurden mit Stand Ende 2017 laut Statistischem Bundesamt vollstationär in Pflegeheimen betreut.

Interessant auch: 79 Prozent wollen im Pflegefall in ihrem Zuhause bleiben, bevorzugt betreut durch einen professionellen Pflegedienst (70 Prozent). 58 Prozent würden laut Statista am liebsten von Angehörigen oder anderen vertrauten Personen betreut werden.

Laut einer Bevölkerungsbefragung des DHPV möchten 58 Prozent der Befragten, die sich bereits über ihr eigenes Sterben Gedanken gemacht haben, zu Hause sterben.

» Themenrubrik Hospizarbeit und Palliativmedizin